Ausbildungsinhalte

Stufe 1: KursleiterIn

Qigong-Praxis

  • Sicheres Können einer längeren Übungsform aus dem Bereich des bewegten Qigong (Donggong)
  • Erlernen mehrerer kürzerer, in sich geschlossener Basisübungen, die für den eigenen Anfängerunterricht von Bedeutung sind
  • Grundlagen des Qigongstandes
  • Kenntnis elementarer Übungsprinzipien und ihrer Anwendung in verschiedenen Übungsformen
  • Basiserfahrungen aus dem Übungsspektrum des Stillen Qigong (Jinggong), z.B.: Inneres Lächeln, Heilende Laute, Visualisierungstechniken etc.
  • Grundlagenkenntnisse aus dem Bereich der Qigong-Massage und Selbstmassage
  • Die Ausbildung sollte von einer regelmäßigen, intensiven Übeerfahrung begleitet sein (täglich ca. 0,5 Stunden), um den Einfluss von Qigong auf das eigene Befinden zu erfahren

Qigong-Theorie

  • Grundbegriffe des Qigong
  • Kenntnis der 3 Säulen/Regulationen (Körper, Atmung, Geist) des Qigong
  • Geschichte und Tradition des Qigong (Richtungen, Stile, Systeme)
  • Innere und äußere Haltung beim Qigong
  • Möglichkeiten und Grenzen des Qigong
  • Umgang mit Notfällen, Kenntnisse in Erster Hilfe

Traditionelle Chinesische Medizin (TCM)

  • Grundlagenwissen zur Lehre von Yin und Yang, den 5 Wandlungsphasen, den Vitalsubstanzen und dem Meridiansystem
  • Erfassung grundlegender Zusammenhänge von TCM-Theorie und Qigong-Praxis
  • Anwendung und Verdeutlichung der TCM anhand praktischer Übungen

Pädagogik / Didaktik

  • Allgemeine Theorie und Praxis des Qigong-Unterrichts
  • Unterrichtsführung/-stile/-formen
  • Erlernen der Fähigkeit zur Schaffung einer positiven Unterrichtsatmosphäre, Entwicklung der Lehrpersönlichkeit
  • didaktisch-methodische Kompetenz, Stoff- und Methodenauswahl
  • Erwartungshorizont der Übenden
  • erste eigenständige Unterrichtserfahrungen werden empfohlen, sind jedoch nicht Pflicht

Bewegungslehre, Anatomie, Physiologie

Ein Grundverständnis anatomischer Zusammenhänge wird erwartet, um die Bewegungsweise im Qigong und die dazugehörigen Prinzipien besser verstehen zu können. Kenntnisse aus der westlicheren Bewegungslehre und dem Bereich des Sports können dabei ebenso behilflich sein.
Die grundlegenden Wechselwirkungen zwischen Körper (Haltung), Geist (Vorstellungskraft/ Aufmerksamkeit) und Emotionen (Gefühlsausdruck) sollten bekannt sein und im eigenen Qigong-Unterricht bearbeitet werden.

Stufe 2: LehrerIn

Qigong-Praxis

  • Kenntnis von mindestens einer weiteren längeren Übungsreihe aus dem Bereich des bewegten Qigong (Donggong). Hierunter fallen auch Qigong-Reihen in Fortbewegung wie z.B. das GuoLin Qigong oder das System der Organschritte.
    Die Lehrenden sollten über Wirkungsweise und Zielsetzung der jeweiligen Übung Bescheid wissen und auf mögliche Nebenwirkungen und Fehler eingehen können.
  • Vertiefte Erfahrungen mit dem Stillen Qigong (Jinggong) und der Qigong-Meditation z.B.: Kleiner Kreislauf, Einsatz bestimmter Atemtechniken wie Dantian-Atmung etc.
  • Basiserfahrungen mit dem System des Spontanen Qigong (Zifagong)
  • Spezielle ergänzende Übungen zur Schulung von Imagination, Aufmerksamkeit und Atemführung
  • Auch auf dieser Stufe wird eine regelmäßige individuelle Selbstübungspraxis erwartet (0.5 Stunden täglich)

Qigong-Theorie

  • Vertiefung der Inhalte aus Stufe 1
  • Philosophische und theoretische Grundlagen des Qigong (Daoismus, Konfuzianismus, Buddhismus)
  • Vertiefte Geschichte und Tradition des Qigong
  • Möglichkeiten und Grenzen von Qigong in verschiedenen Einsatzbereichen
  • Grenzen der eigenen Möglichkeiten

Traditionelle Chinesische Medizin (TCM)

  • Vertiefung der Inhalte aus Stufe 1
  • Das chinesische Körper-Energie-Modell (Meridiane, ausserordentliche Leitbahnen, usw.)
  • Die Zang/Fu-Organe als energetische Funktionskreise
  • Einführung in die Diagnostik und Pathologie der TCM
  • Es gilt ein Verständnis zu schaffen für die ganzheitliche Betrachtungsweise des Menschen anhand der TCM, für die Ansichten der TCM über Krankheitsentstehung, -vorbeugung, -therapie, sowie den Stellenwert von Qigong in diesem Zusammenhang.

Pädagogik / Didaktik

  • Auseinandersetzung mit der eigenen Motivation Qigong zu unterrichten
  • Kenntnis gruppendynamischer Gestaltungsprozesse und Training eines angemessenen Umgangs mit den Rollen, Funktionen und emotionalen Bewegungen von Teilnehmer_innen in Qigong-Gruppen (z.B. Widerstand, Kritik, Frustration, Resignation etc.).
  • Didaktische Kompetenz: z.B. Themenschwerpunkte setzen zu können, stoffliche Reduktion, Methodenauswahl, Medieneinsatz, Anpassung der Übungen an spezifische Bedürfnisse der Teilnehmer_innen, etc.
  • Die Polaritätsprinzipien von Yin und Yang als Gestaltungsmittel im Unterricht einsetzen können z.B.: Theorie – Praxis, Ruhe – Bewegung, Lernen – Üben, Anleitung – erläuterungsfreie Übungsgestaltung, Spannung – Entspannung, etc.
  • Erlernen der Fähigkeit zur korrigierenden Unterstützung und Hilfe
  • Beherrschung der verschiedenen Organisationsformen des Qigong-Unterrichts: Frontal-, Gruppen-, Einzelunterricht, Binnendifferenzierung, etc.
  • Fähigkeit zum Kulturtransfer: Übertragung von Sprach- und Denkmustern aus China in den Westen. Fähigkeit innere und äußere Bewegungen mit stimmigen Bildern und Vorstellungen zu unterlegen.
  • Fähigkeit, unterschiedliche Lernkanäle zu bedienen. Optisch: exakte Vorführung; akustisch: genaue Erklärung; taktil: Erspüren und Erfühlen von Bewegungsabläufen.
  • Mit zunehmender Dauer der Ausbildung auf Stufe 2 sollte der Umfang der eigenverantwortlichen Unterrichtstätigkeit größer werden. Regelmäßige Lehrproben bzw. Unterrichtsversuche und deren kollegialer Intervision bzw. Supervision in den Ausbildungsgruppen selbst, sind ebenfalls wichtige Bausteine der Ausbildung.